Ophthalmologie 4.0 – Interview mit der DOG-Präsidentin

Die DOG 2018 steht unter dem Leitthema „Ophthalmologie 4.0“. Die DOG-Präsidentin, Prof. Dr. Nicole Eter, erklärt, warum sie dieses Motto gewählt hat, welche Neuerungen es gibt und auf welche Highlights sich die Teilnehmer freuen können.

Interview mit der Präsidentin der DOG
Prof. Dr. Nicole Eter

Mit Ihrem Leitthema „Ophthalmologie 4.0“ setzen Sie die Digitalisierung in den Fokus des diesjährigen DOG-Kongresses. Welche Visionen verbinden Sie mit dem digitalen Wandel in der Medizin und der Ophthalmologie?

Die deutsche Medizin hinkt der Digitalisierung sehr hinterher. Dabei könnte sie sowohl für Ärzte als auch für Patienten deutliche Verbesserungen bringen: Hier ist vor allem der bessere Datenaustausch zur Vermeidung unnötiger Doppeluntersuchungen zu nennen, aber auch der Einsatz künstlicher Intelligenz als „Decision-Support-System“ für Ärzte. Diagnosen können leichter zusammengeführt werden. Insbesondere schafft die digitale Akte auch die Grundlage für Big Data und damit einen Meilenstein für Qualitätssicherung und Versorgungsforschung.

Mit dem digital sunday haben Sie einen neuen Programmschwerpunkt für den Kongress-Sonntag eingeführt. Was erwartet die Kongressbesucher?

Der digital sunday widmet sich den Chancen, die die Digitalisierung bietet, ohne dabei Herausforderungen des Wandels zu vernachlässigen. Der intensive Informationsaustausch soll allen Teilnehmern ermöglichen, ihre Ängste und Unsicherheiten in Sachen Digitalisierung offen anzusprechen und zur Diskussion zu stellen. Mehreren Symposien beleuchten die wissenschaftlichen Fragestellungen der Digitalisierung, wie den Umgang mit der digitalen Patientenakte, Big Data-Analysen und technische Lösungen zur Unterstützung der augenärztlichen Tätigkeit. In den Workshops und Referaten können die Besucher sich ganz praktische Tipps zum Thema Datenschutz, Social Media, Bewertungsprotale und Website-Auftritten abholen.

In der Keynote Lecture am Kongress-Freitag wird Prof. Dr. George Williams aus Michigan über das US-amerikanische IRIS-Register sprechen. Wie steht es um die Registerpläne der DOG?

Mit dem IRIS-Register haben amerikanische Ophthalmologen eine Datenbank ins Leben gerufen, die Behandlungsfalldaten im ambulanten wie auch im klinischen Sektor zentral erfasst. Sie bietet nicht nur Einblicke in die Verbreitung von Augenkrankheiten, sondern trägt auch zur Qualitätssicherung und Optimierung heutiger Behandlungsstandards bei. Die DOG hat im November vergangenen Jahres ebenfalls begonnen, ein zentrales deutsches Register für Augenheilkunde analog dem IRIS Register aufzubauen. Hierzu wurde eigens ein Informatiker in der DOG-Geschäftsstelle eingestellt. Geplant ist, einen breiten Datensatz für die Augenheilkunde aus Routinedaten aller Praxen und Kliniken in Deutschland zu gewinnen. Die hierfür wichtigen Parameter werden derzeit in den Sektionen bzw. assoziierten Gesellschaften der DOG definiert. Alle Kongressbesucher sind herzlich eingeladen, sich beim Referat am digital sunday über das Vorhaben zu informieren.

Auf welche weiteren Highlights können die Kongressbesucher sich freuen? Welche Formate sind neu?

Eines der vielen Highlights ist der diesjährige Gastvortrag im Rahmen der Eröffnungsfeier von Gottfried Ludewig, Leiter der im Bundesministerium für Gesundheit neu geschaffenen Abteilung „Digitalisierung des Gesundheitswesens“. Ich hoffe, dass seine Worte zu fruchtbaren Diskussionen führen werden. Auch die anderen Keynote Lectures zur Minimalinvasiven Chirurgie von Prof. Daniel Mojon und zur Augenuntersuchung der Zukunft von Pearse Keane versprechen spannende und neue Perspektiven.
Als neues Format haben wir in diesem Jahr die Workshops eingeführt. Diese bieten in erster Linie einem tendenziell abgegrenzten Expertenkreis den Rahmen für Austausch, Diskurs und Vernetzung. Die Sitzungen haben interaktiven Charakter und behandeln thematisch abgegrenzte Themen und Fragestellungen z. B. aus dem Bereich der Grundlagenforschung.

Welcher Programmpunkt steht ganz oben auf Ihrer persönlichen Favoriten-Liste?

Das gesamte Programm der DOG 2018 verspricht extrem interessant zu werden. Am liebsten würde ich mir jeden Vortrag anhören und mir jedes Poster ansehen. Ganz besonders freue ich mich auf das „Zukunft der Augenheilkunde im Spannungsfeld gesundheitspolitischer Anforderungen“. Zum ersten Mal ist es uns gelungen, ein gesundheitspolitisches Symposium zu organisieren, bei dem wir in den Dialog mit entscheidenden Akteuren des deutschen Gesundheitswesens treten werden. Die Veranstaltung bietet die Möglichkeit, Fragen, die uns bewegen, direkt zu stellen. Ich erwarte eine spannende Diskussion.