Auge und Musik – Zwei ziemlich beste Freunde

Charles Kelman, der Erfinder der Phakoemulsifikation, hatte ursprünglich einen ganz anderen Karrieretraum: Musiker hatte er werden wollen. Damit gehört er zu einer großen Gruppe von Ophthalmologen, die sich der Musik verbunden fühlen. In diesem Symposium zeigen Experten, wie die Sinne beim Spielen und Hören von Musik zusammenwirken.

Musiker, die sich für eine Stelle im Orchester bewerben, müssen ihr Können in einem „blinden“ Vorspiel unter Beweis stellen. Ihre optische Erscheinung soll das Urteil der Juroren nicht beeinflussen. Welche Rolle die Augen beim Erleben von Musik spielen, zeigt eine Studie aus dem Jahr 2013 eindrucksvoll: Sowohl Profi-Musiker als auch Laien wurden gebeten, das Abschneiden von Musikern in internationalen Klassikwettbewerben korrekt vorherzusagen: im ersten Durchlauf hörten sie nur das gespielte Stück. Im zweiten sahen sie das Auftrittsvideo der Interpreten ohne Ton. Die meisten Treffer erzielten die Probanden dann, wenn ihnen ausgerechnet der Ton nicht zur Verfügung stand. Welche Rolle visuellen Reizen beim Musikhören zukommt und wie die Augen beim Spielen eines Instrumentes oder beim Komponieren eines Musikstücks spielen, verdeutlichen die Referenten in diesem Symposium. Live-Musik rundet die Veranstaltung ab.

 
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von Graefe 15:00 - 16:15 27.09.2018
Symposien Do15
Auge und Musik – Zwei ziemlich beste Freunde
1968, also vor 50 Jahren, wurde von Charles Kelman die erste erfolgreiche Phakoemulsifikation durchgeführt. Eigentlich wollte Kelman Musiker werden. Kelman ist nicht der einzige Ophthalmologe, der der Musik sehr nahesteht. In dieser Sitzung werden direkte Beziehungen zwischen beiden Gebieten dargestellt - mit Live-Musik.
Michael Bach (Freiburg)
Martin Wenzel (Trier)
Martin Wenzel (Trier)
Kepler erkannte als erster Optik und Anatomie des Auges richtig, als Nebenprodukt seiner astronomischen Forschung. Er berechnete die Dur-Moll-Harmonien, die über Werckmeister und Bach Eingang in die europäische Musik fanden. Bach und Händel fielen auf den gleichen Charlatan rein, beide erblindeten und starben bald nach den missglückten Eingriffen, unter Schmerzen diktierte Bach seinen letzten Choral. Beethovens ärztlicher Beistand war Schmidt, ein berühmter Augenarzt. Kelman entwickelte die Phakoemulsifikation, nachdem seine Karriere als Schlagersänger scheiterte.
Michael Bach (Freiburg)
Daniel Kook (München)
Das Erlernen eines Musikinstrumentes erfordert Selbstdisziplin, Konzentration, Geduld, Zeit und Geschick und ist von Schwierigkeiten und Erfolgen geprägt. Aktives Musizieren bedeutet ein kompliziertes Zusammenspiel verschiedener Fähigkeiten und Sinne wie des Hörens, des Sehens, des Fühlens und der Feinmotorik. Das Gleiche gilt für das Erlernen mikrochirurgischer Techniken in der Ophthalmologie. Parallelen zwischen beiden faszinierenden Welten werden dargestellt.
Jens Bühren (Hanau)
Die visuelle Erkennung von Mustern spielt sowohl in der Augenheilkunde als auch in der Musik eine gewichtige Rolle. Der erste Teil des Vortrages beleuchtet die Bedeutung von Mustern und Symbolen in der graphischen Darstellung von Musik und spürt auch unbeabsichtigte oder versteckte Muster in Partituren auf. Im zweiten Teil werden zum Teil erstaunliche Parallelen zwischen der Codierung und Erkennung von visuellen Mustern in der Augeneilkunde und der Musik dargestellt.